Grundsätze für das Arbeiten im Tiergestützten Setting

Zum Nachdenken
"Der muss sich das ja gefallen lassen, das ist ein Therapiehund."

Ich weiß gar nicht wie oft ich diesen oder ähnliche Sätze schon gehört habe.

 

In unserer Gesellschaft gibt es offensichtlich das weit verbreitete Bild des "klassischen Therapiehundes", der ruhig, immer freundlich, folgsam und "funktionierend", ALLES über sich ergehen lässt. Egal ob Kinder an seinen Ohren ziehen, er auf engstem Raum von 20 Leuten bedrängt wird oder er immer und immer wieder vom Klienten grob an der Leine zurückgezogen wird.

Immer wieder fragte ich mich, wie denn dieses Bild überhaupt entstehen konnte und musste oft mit Erschrecken feststellen, dass es diese Settings leider wirklich gibt.

Publiziert werden Fotos/Videos von Einsätzen, die Hunde im "pädagogischen/therapeutischen Setting" z.B. mit Kindern zeigen: Das Tier liegt am Boden, zehn oder mehr Kinder kraulen und streicheln gleichzeitig das weiche Fell. Die Beschreibung oder der Titel solcher Bilder/Filmsequenzen sagt meist schon alles: "THERAPIEHUND Bello zu Besuch im Kindergarten XY, inmitten unserer Kinder genießt er die Streicheleinheiten."


 

Aber was wollen wir eigentlich von unseren tierischen Partnern, die als Co-Pädagogen fungieren? - Sich alles gefallen zu lassen?  Es hinnehmen, wenn es halt mal weh tut, weil der 5 jährige Lukas eben nicht aufgepasst hat, dass Bellos Schwanz genau hier lag?  Was sagt es über das pädagogische Setting aus?  Was ist wohl der Lerneffekt, den die Kinder, im oben beschriebenen Fall, haben?

Ist es nicht ein ganz wesentlicher Teil des tiergestützten Lernens, dass Eigenarten des Gegenübers anerkannt und respektiert werden? Und gilt dies dann nicht auch für das Berücksichtigen von Grenzen und Bedürfnissen des Tieres?

MEIN WICHTIGSTER GRUNDSATZ in der tiergestützten Arbeit ist, dass Tiere niemals zu Handlungen gezwungen werden und ihre Aufgabe gerne ausführen.

Natürlich bringen wir unseren Hunden in der Ausbildung bei, auch mal unangenehme Momente "auszuhalten", bzw. in bestimmter Art und Weise zu reagieren. Es ist schon wahr, dass unsere Tiere lernen, nicht sofort mit einer Abwehrreaktion zeigen, wenn ihnen eine Situation unangenehm scheint.

 

Desto wichtiger ist es, durch mein geschultes Auge zu erkennen, wann es für das Tier beginnt unangenehm zu werden. Dann die Verantwortung wahrzunehmen und mein Tier aus gewissen Situationen zu holen, zähle ich zu meiner Pflicht als Hundeführerin, Pädagogin und Ausbildnerin. Deshalb will ich in keinster Weise, dass meine Hunde lernen, Stresszeichen zu unterdrücken und alles aushalten zu müssen.

 

Das Vertrauen meiner vierbeinigen Kollegen in mich, dass ich für sie die Situation so gestalte oder verändere, dass es zu keiner Überforderung kommt, bildet, meiner Meinung nach, die Grundlage für ein funktionierendes tiergestütztes Arbeiten. Dieses wiederum erreiche ich weder mit Druck oder hartem Training sondern nur mit einer liebevollen und freundschaftlichen Beziehung zu meinen Tieren und einer Ausbildungsphilosophie, die auf positiver Bestärkung basiert!